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Grinderwald

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66Der Grinderwald

Ein eigentümliches Waldgebiet nordwestlich in der Region Hannover will ich hier vorstellen. Zugehörig zum Naturpark Steinhuder Meer befindet es sich unmittelbar zwischen den Städten Neustadt am Rübenberge und Nienburg (Weser). Begrenzt wird der Wald durch die viel befahrene Eisenbahnlinie Bremen-Hannover im Norden und die auf vier Spuren erweiterte Bundesstraße 6 im Süden, die das Waldgebiet zerteilt und den südlichen kleineren Teil abschneidet. Leider ist es nicht möglich, einen der Parkplätze entlang der Straße als Ausgangspunkt für Touren zu benutzen. Ein Zaun riegelt den Waldrand hermetisch ab, sodass kein Wild heraus- und kein Mensch mehr hineinkommt. Wanderer haben eher Zugang über die Bahnhöfe Hagen und Linsburg, über Eilvese oder Borstel, wo man direkt an den Wald heranfahren kann.

Wer gerne lange, ausgedehnte Spaziergänge mag und auf allzustarken Publikumsverkehr verzichten will, für den ist dieser groß angelegte Wald das ideale Ziel. Wer sich wirklich erholen möchte und dabei etwas innere Einkehr sucht, sollte unbedingt dieses Gebiet für eine kurze oder längere Wanderung besuchen.

Zu Fuß oder mit dem Fahrrad kann man hier eine reichliche Halbtageswanderung absolvieren. Die zahlreichen Wege lassen beide Verkehrsmittel sinnvoll erscheinen. Man findet hier befestigte Wirtschaftswege in geraden Richtungen vor, sowie »grüne« Waldwege, die eindeutig kurvenarme Routen verfolgen.

Überhaupt ist der Wegeverlauf im Grinderwald interessant angelegt. Teils sind es forstwirtschaftliche Gründe oder historisch gewachsene Wege, die zu dem jetzigen Erscheinungsbild des Wegenetzes geführt haben. Die meisten führen in die Nord-Süd oder Ost-West Ausrichtung. So verlief einst parallel zur B6 die damalige Chaussee von Hannover Richtung Bremen, auf der sogar Könige von England mit ihrem Tross von England kommend in ihre Residenz nach Hannover gefahren sind, um ihrem Kurfürstentum einen Besuch abzustatten. Durch den Grinderwald führte bis ins 19. Jahrhundert hinein die einzige Verbindung nach Nordwesten. In der Nähe befinden sich auch ein »Eisenbahner Weg«, dern in Richtung Linsburg leitet und ein alter Postweg.

Für Sehenswürdigkeiten benötigt man ein waches Auge. Diese findet man zwischen den dichten Baumbeständen. Eine der auffälligsten ist der 138 Meter hohe Fernmeldeturm, der in der umgebenden Landschaft weithin zu sehen ist. Sogar eine kleine Jagdhütte taucht wie urplötzlich aus dem Nichts auf, wenn man den passenden Weg einschlägt. Denn die Parallelwege ähneln einander beträchtlich. Die Ernst-August Hütte wurde 1967 errichtet und erinnert daran, dass der Grinderwald einmal Jagdrevier der Welfen gewesen ist.

Ganz in der Nähe in nördlicher Richtung taucht sogar ein kleiner Einmann-Bunker auf, eine Betonanlage, die in die Erde eingegraben und mit einer Eisentür verschlossen ist. Noch weiter schreitend kommt man an einem Stein mit einem Löns-Zitat vorbei. Im Umkreis des Hüttenberges, der höchsten Erhebung mit 105 Metern kann es zu einem interessanten, aber weniger natur-schönen Fund kommen. Da erscheint plötzlich eine verlassene Militäranlage, die schon seit zwanzig Jahren geräumt ist und deren verfallende Bauten ehemals zu einer Anlage mit Flugabwehr-Raketen zur Zeit des kalten Krieges gehört haben. Meine Empfehlung: am besten nicht so viel Spektakuläres erwarten. Die herbe Schönheit des Waldes mit reichhaltigen Baumbeständen und seiner eigenen Atmosphäre ist Sehenswürdigkeit genug.2016_0608grinderwaldsommer0016

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