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Sergiu Celibidaches Philosophie über Musik und Tonaufnahmen

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Sergiu Celibidache, was für ein Musiker, was für ein Mensch. In jungen Jahren erschien er mir mit seinen oft sperrigen Theorien eher als ein kauziger, sich selbst darstellender Patriarch, der die Orchestermitglieder, wie ich hören durfte, wie ein Tyrann schikanierte. Kaum jemand polarisierte so stark wie er, der es erreichte, seine Orchester zu Höchstleistungen und ungewöhnlich musikalischen Höhepunkten zu bringen. Erst mit zunehmendem Alter und wachsender Erfahrung näherte ich mich dieser Person, zumal durch Veröffentlichung von Videos auf Youtube die Möglichkeit entstand, viel von ihm zu erfahren. Mittlerweile kursieren viele Musikaufnahmen von ihm und seinen Orchestern, obwohl er zeitlebens gegen Mikrofonaufnahmen und insbesondere gegen eigene Tonproduktionen eingestellt war. Aber er kam aus vertraglichen Gründen anscheinend nicht drum herum. Sonst würde es wohl, wenn es nach ihm gegangen wäre, gar keine Tonaufnahmen von ihm geben. Für ihn war die Life- Aufführung sakrosankt.

Im vorliegenden Video erklärt er, wieso er Produktionen generell ablehnt. Und er schildert das auf eine nicht leicht zu verstehende Weise. Leider nur auf französisch, aber mit englischen Untertiteln. Celibidache beherrschte fünf Sprachen fließend. Zahlreiche seiner bedeutenden Vorträge hat er im Fernsehen auf Italienisch gesprochen. Das Interview, das er mit einer Reporterin des französischen Fernsehens führte, ist sehr vielsagend, teils emotional geführt. Hier wird die volle Überzeugung seiner Thesen deutlich. Mit vielen Dingen und Menschen geht er teilweise hart ins Gericht. Seine Kritik an Kollegen und an der Ausbildung an Hochschulen ist messerscharf. Überhaupt hat er in seinen Ausführungen viele verletzende und herablassende Worte gebraucht. Diese begründet und belegt er aber auch. Er verfügt über ein Übermaß an Selbstüberzeugung. Das wird in dem Gespräch klar herübergebracht. Mit ins Spiel kommt seine Hinwendung zu Buddhismus und die Beschäftigung mit der wissenschaftlichen Phänomenologie, einem schwer verständlichen und sperrigen Erklärungsmodell. Es lohnt sich aber, bestens bewaffnet mit einem Wörterbuch, seinen teil spannenden Ausführungen zu folgen. Ich glaube nicht, jemals über Musik etwas Besseres gehört zu haben.

Ein Gedanke zu „Sergiu Celibidaches Philosophie über Musik und Tonaufnahmen“

  1. Die Begegnung mit Celibidache und seiner Musikauffassung hat in meinem musikalischen Leben unauslöschliche Spuren hinterlassen. Ich stieß erst Anfang der 90er Jahre auf seine Münchner Arbeit, fuhr zu beinahe jeder Aufführung und durfte ihm dank nachhaltiger Bemühungen meiner Frau persönlich begegnen.

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