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Gedanken in der Abenddämmerung

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Gedanken in der Abenddämmerung. Still und ruhig liegt das Hallertal vor meinen Augen. Auf einer kleinen Anhöhe zwischen Völksen und Eldagsen blicke ich rundum in die Landschaft. Eine warme, angenehme Stimmung umgibt mich. Kein Lüftchen, …..«über allen Wipfeln ist ruh…«. Die Ruhe, die jetzt über der Landschaft liegt, ist beeindruckend. So gut wie keine Menschen unterwegs. Nicht mal ein Auto ist mir begegnet. Auch gut. So habe ich die Landschaft für diesen Moment ganz für mich allein. Ob sie alle vor dem Fernseher sitzen? Ich beneide sie nicht. Hier ist es doch viel schöner und bunte Bilder genieße ich in vollen Zügen kostenlos und in Natura. In der Ferne ist gelegentlich ein Auto zu vernehmen. Aber die frühlingshafte Stille mit den vollbelaubten Bäumen lässt das Herannahen des Sommers bereits jetzt erahnen. Das wird nicht lange so bleiben. Denn an dieser exponierten Stelle weht häufig ein rauer Wind aus Nordwest. Oder wenn es besonders kalt wird, von Osten aus dem flachen Gebiet der Hildesheimer Börde.

Zu sehen ist die Deisterpforte. Links der kleine Deister mit der Hallerburg und rechts die Ausläufer des großen Deisters mit dem Ebersberg, dem Hausberg von Springe. Schaut man sich die weiten Felder an, dann deutet nichts mehr darauf hin, dass hier einmal Ortschaften standen, die mittlerweile untergegangen sind. Wüstungen nennt man heute diese verschwundenen Dörfer, die einst aufgrund von Kriegseinwirkungen, Pest-Epidemien oder unwirtschaftlichen Bedingungen aufgegeben wurden. Sie verfielen und haben sich im Laufe der Jahrhunderte »renaturiert«. Die Namen dieser geheimnissvollen Orte sind bekannt. Sie wurden in den Springer Jahrbüchern, einer Buchreihe zur Geschichte des Kreises Springe, aufgelistet. Teilweise tragen sogar noch die anliegenden Feldfluren ihre Ortsbezeichnungen. Auch Familiennachnamen findet man heute in den Dörfern um Völksen. So deutet zum Beispiel der Name »Ihssen« auf ein Dorf hin, das südlich des Lauseberges gelegen hat.

So hat sich in den vielen vergangenen Jahrhunderten ein stetiger Wandel in der Besiedlung vollzogen. Davon ist nun im Angesicht der Landschaft nichts mehr zu merken. Wo einst Menschen wohnten, lebten und arbeiteten, die Felder bestellten und von den Erträgen der Natur existieren, befindet sich heute eine weite landschaftliche Fläche, die Ruhe und Erhabenheit ausstrahlt. Welches Gesicht wird sie in den nächsten Jahrhunderten erhalten? Wir wissen es nicht. Hauptsache unsere Nachkommen finden auch in Zukunft eine Umgebung vor, in der es sich leben lässt und mit der sie sich im Einklang befinden können.

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Ein Gedanke zu „Gedanken in der Abenddämmerung“

  1. Sehr schön geschrieben.
    Interessante Informationen gepaart mit persönlichem Empfinden, eine bemerkenswerte Kombination.

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