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Entlang der Kaiserallee

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Was sind schon die berühmten »Linden« im Berliner Stadtzentrum, was sind die großen Prachtstraßen dieser Welt gegen unsere gute alte »Kaiserallee«? Ursprünglich angelegt als Verbindungsweg zwischen der «Kaiserrampe« und dem Springer Jagdschloss, liegt sie jetzt im späten Frühling in voller Pracht vor unseren Augen. Kastanien, Lindenbäume, angejahrte Baumbestände und Neuanpflanzungen zieren den Weg des Spaziergängers. Was hat es mit dem Namen auf sich? Was haben die kaiserlichen Herrscher damit zu tun?

Bereits 1858 ist dieser Weg angelegt worden. Am Wegesrand wurden hauptsächlich Kastanien angepflanzt, welche mit der Zeit eine stattliche Größe erreichen sollten. Die Allee hatte den Zweck, eine Verbindung zwischen der alten Chaussee Hannover-Hameln zum Springer Jagdschloss herzustellen. Ebendieses architektonische Kleinod wurde 1837 unter der Regentschaft von Ernst-August von Hannover (der vor dem Hauptbahnhof)durch Laves gebaut.

1866 endete das Königreich Hannover. Es wurde preußische Provinz. Von nun an wurden Staatsjagden veranstaltet, an der sogar der jeweils amtierende deutsche Kaiser teilnahm. Das erklärt auch den Begriff »Kaiserrampe«. Es handelte sich um einen Bahnhof für die Sonderzüge des Kaisers, wenn dieser mit seinem Gefolge zu den alle zwei Jahre stattfindenden Jagden im Saupark Springe aufbrach.

Wer heute entlang der Allee geht oder fährt, befindet sich auf geschichtsträchtigem Boden. Traf der Kaiser am Bahnhof ein, wurde er nicht nur von zahlreichen Bediensteten begleitet. Selbstverständlich nahm die breite Öffentlichkeit davon Notiz. Daher kommt die Bezeichnung: »Großer Bahnhof…«. Nach öffentlicher und medialer Aufmerksamkeit stieg der Herrscher in die für ihn bereitgestellte Kutsche. Somit setzte sich der ganze Tross in Bewegung, um dann gemächlich die Kaiserallee entlang zum Jagdschloss zu fahren. Da die Jagden in der Regel im Spätherbst veranstaltet wurden, war die Witterung eher feucht und neblig. So war seine Majestät oft verschnupft, wenn er von dringenden Regierungsgeschäften kommend, sich zur erholsamen Jagd mit seinen Begleitern aufmachte. Das ging so bis zum Jahre 1912. Da fand die letzte Staatsjagd mit Kaiser Wilhelm, den zweiten statt.

Das Kaiserreich ist längst untergegangen. Die Nachfolger waren keine adligen Herrscher mehr. Allenfalls Länderregierungschefs und deren Minister haben bis in die heutige Zeit der traditionellen Veranstaltung ihre Referenz erwiesen. Der letzte bekannte Name war Ernst Albrecht, damaliger Ministerpräsident von Niedersachsen. Dieser ist bestimmt nicht die Kaiserallee entlanggefahren, sondern ganz nach Art der Demokraten, mit seinem Dienstwagen bis zur Eingangstür kutschiert worden.

Somit ist die Kaiserallee inzwischen zu einem Relikt vergangener Zeiten geworden. Aber dem Wanderer offenbart sie ihre Schönheit und Anmut für die Sinne.

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