Kurt-Tucholsky2

Kurt Tucholsky und ich

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Kurt Tucholsky ist ein Landsmann von mir. Ja, eine gewisse Nähe spüre ich schon zu diesem Autor, Literaten und Satiriker. Tucholsky ist in Berlin-Moabit geboren, ein Stadtteil im Bezirk Mitte, in dem ich zur Schule gegangen und aufgewachsen bin. Und selbstverständlich bin ich samt Schultüte und braunem Lederranzen in die »Kurt-Tucholsky-Grundschule« eingeschult worden. Das war 1966. Danach hat sich die Namenspatenschaft der Schule, wie in Berlin häufiger üblich, mehrmals geändert.

In Wilmersdorf bin ich geboren. Ein bürgerlich, eher wohlhabender Stadtteil im »alten Westen« Berlins. Stärker beeinflusst hat meinen Werdegang doch die besondere Atmosphäre des Moabiter »Stephan-Kiezes«. Von hier stammen die ersten bewussten Eindrücke und Erlebnisse meiner Kindheit, die mich bis heute noch prägen.

Zynismus ist eigentlich nicht meine Vorliebe. Aber Tucholskys teils knallharte Satire beeindruckt mich ungemein. Die »Prügelstrafe« und der »Laternenanzünder« sind nach wie vor Favoriten. Vermutlich bin ich in Berlin doch mit einigen vorhandenen »Molekülen« in Berührung gekommen.

Hubertus Wöllenstein, mit dem ich diesen Tucholsky Abend gestaltete, ist der geeignete Rezitator für Tuchos Werke. Seine ausdrucksvoll knallige und markante Stimme, sowie ein ausstrahlender »Zwanziger-Jahre-Typus« lässt eine Aufführung wie gestern im Gronauer Lichtspieltheater zu einem beeindruckenden Erlebnis werden.

Oft genug ärgerte ich mich über solch handzahmen »Rundfunk«-Stimmen, von jungen Milchbärten, deren Habitus in keinem Verhältnis zu den oft klotzigen Texten Tucholskys stand. Da lobe ich mir doch eher das kantige, knorrige und unergründliche im Vortrag. Tuchos derbe Satire ist nun mal eine andere Hausnummer als heutige lammfromme Kabarett-Darbietungen. Sie gehört nun mal in eine vergangene Epoche, die sie repräsentiert und veranschaulicht. Man war halt etwas Gehaltvolles gewöhnt.

Und die Musik? Natürlich Zwanziger-Jahre Gassenhauer auf dem Klavier und dazwischen einige besinnliche Kontraste zu den scharfsinnigen Texten, welche den Zuhörern etliches abverlangen. Die Leute sollten sich zwischenzeitlich erholen. Das war vornehmlich mein Part. Die Klavierklänge liessen die Inhalte noch einmal Revue passieren und gab dem Publikum die Gelegenheit zur Selbstreflektion.

Der Auftrittsort bot stilistisch die passende Kulisse für unseren Vortrag. Das Lichtspielhaus in Gronau (Leine) wurde 1919 erbaut und zählt zu den ältesten Kinos in der Region. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und wird von einem Kultur- und Veranstaltungsverein in engagierter und rühriger Weise betreut. Neben einem reichhaltigen Kinoprogramm treten hier Künstler aller Gattungen innerhalb eines Rahmenprogrammes auf.

Alle Achtung. Volle 2 Stunden ohne Pause haben die Leute aufmerksam bis zum Schluss zugehört. Ein positives Zeichen für uns. So war hier genug Spannung und Abwechslung ohne eine Minute Leerlauf angesagt.

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