29769bb6f5

In Memoriam Jörg Strodthoff

image_pdfimage_print

In Memoriam Jörg Strodthoff

(22.10.1959-10.06.2013)

An dieser Stelle will ich an den vor genau drei Jahren verstorbenen Berliner Kantor und Kirchenmusikdirektor Jörg Strodthoff erinnern. Er hatte sich in seiner Dienstzeit (ab 1989) als Organist, Pianist und Chorleiter an der Berlin-Wilmersdorfer Auenkirche durch glänzende Aufführungen, hochqualitative CD Einspielungen und Gastspiele in allen bedeutenden Berliner Kirchen einen Namen gemacht. Krankheit und früher Tod setzten einer hoffnungsvollen Karriere ein jähes Ende. Zum Schluss erhielt er die Ernennung zum Kirchenmusikdirektor und bekam die Bürgermedaille des Bezirkes für sein allgemein-kulturelles Wirken.
Jörg stammte aus Hannover. Er besuchte das Humboldtgymnasium, machte dort das Abitur. Hier entdeckte er die Liebe zur Musik und den daraus folgenden Berufswunsch. An der Musikhochschule Hannover lernte ich ihn kennen. Er studierte nicht nur Kirchenmusik, sondern absolvierte daneben ein Kapellmeisterstudium. Mit der Zeit legte er doch den Schwerpunkt auf die geistliche Musik. Vor allem die großen Orgelwerke taten es ihm an. Damit zeigte er sein bewundernswertes Können auf dem Instrument. Er verfügte über einen enormen Fleiß, verbunden mit immenser Ausdauer. Ich erinnere mich: Wie oft kam er zu später Stunde in die Studentenkneipe, mit vollgeschwitztem Hemd, stundenlang Reger geübt, um sich am Flipperautomaten ordentlich abzureagieren.

So lernte ich ihn kennen. Als einen ehrgeizigen und bis zur Selbstaufopferung tätigen Musiker, der hoch hinaus wollte, dabei von einer herausragenden Position träumte. In den musikalischen Vorstellungen war er kompromisslos. Sein Drang zum Perfektionismus erreichte manchmal schon die Schmerzgrenze. Selten zuvor habe ich solch einen Hang zur Opferbereitschaft erlebt.

An der Lukaskirche in Hannover-Vahrenwald hatte er seine erste Organistenstelle. In der Zeit, Anfang der 80er Jahre, musizierte ich viel mit ihm gemeinsam. Gelegentlich traf ich ihn andernorts bei Gastspielen in Kirchen der Region.

1989 erhielt er dann die lang ersehnte Position eines A-Kirchenmusikers an der Auenkirche in Berlin-Wilmersdorf. Zu meiner Überraschung in dem Bezirk, wo ich geboren wurde und 1960 getauft worden bin. Hier begannen seine berufliche Karriere und Erfolgsgeschichte. Mit den Jahren des Wirkens wurde die Auenkirche zu einem Geheimtipp in Berlin für qualitativ hochwertige Kirchenmusik. Große Aufführungen mit der Kantorei durch alle bedeutenden Oratorienwerke, legendäre Reger und Bach Einspielungen sowie Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern und Sängern Berlins prägten seine Amtszeit.

Leider war es ihm nicht vergönnt, die Früchte seines vielfältigen Schaffens im Alter zu genießen. Als ich ihn anlässlich meines Taufjubiläums zwecks Musizierens im Gottesdienst einmal kontaktieren wollte, kam mir auf der Internetseite der Gemeinde nur noch eine Todesnachricht mit Nachruf entgegen. So schnell kann es geschehen. Und so habe ich das Musizieren in meiner Taufkirche letztes Jahr mit seinem Nachfolger im Amt, Winfried Kleindopf, nachgeholt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *