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Tagebuch eines Leidensweges

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Die weltberühmten, erschütternd tragischen Tagebücher des britischen Südpolar-Expeditionsleiters Robert Falcon Scott sind eine beeindruckende Lektüre.
Scott war ein renommierter Offizier der englischen Marine, der Zeit seines Lebens von dem Wahn getrieben wurde, als erster Mensch den Südpol zu betreten. Alle Bemühungen und gewaltige Anstrengungen führten tatsächlich dazu, das Scott am 16. Januar 1912 mit einigen Männern den bisher unerreichten Punkt der Erde in Besitz nehmen konnten.
Aber das Allerwichtigste an dieser Aktion wurde ihnen durch schicksalhafte Umstände verwehrt. Anstatt das Privileg des ersten Entdeckers des Südpoles genießen zu können, musste sich Scott mit dem zweiten Platz begnügen. Denn der Norweger Ronald Amundsen hatte bereits vor Wochen die Flagge seines Heimatlandes auf dem südlichsten Punkt der Erde gehisst. Somit konnte er die Krone der historischen Einmaligkeit tragen und auf sich beziehen.
Ganz anders bei Scott und seiner Mannschaft. Das Tagebuch schildert in Worten den erschütternden Moment, als Scott nach äußersten Strapazen und Mühen geradewegs auf die am Horizont erscheinende Flagge des Norwegers zumarschierten.

Aus solchen deprimierenden Erfahrungen heraus mussten die Männer den katastrophal beschwerlichen Weg von 1500 Kilometern zurückgehen. Und das unter dieser Situation und schlechter Stimmungslage.
Sie haben ihr Ziel nicht erreicht. 500 Kilometer vor Erreichen des Zwischenlagers sind sie in ihrem Zelt erfroren. Bis zu dem letzten Augenblick vor dem Erstarren der Finger und Hände schrieb Scott in detaillierter Weise seine Erlebnisse in das Tagebuch. In einem britisch gefärbten Pathos beendete er die Schlusszeilen, in dem er sich von allem ihm bekannten Personen verabschiedete und am Ende einige grundsätzliche, patriotische Bemerkungen machte.
Seitdem ist dieses Tagebuch, das durch Eintritt des Todes abgebrochen wurde, ein bedeutender Teil der Weltliteratur geworden.
Als sich nach Monaten ein Expeditionskorps aufmachte und die Erfrorenen im ewigen Eise fand, wurde unter anderem auch das Tagebuch aufgefunden. Unbeschädigt konnte es der Weltöffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

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