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Die Symbolkraft der Treppe

»Stufen des Abstiegs, Stufen des Aufstiegs«.
Von Herbert Fritsche, aus »Der große Holunderbaum«

Herbert Fritsche lebte von 1911 bis 1960. Er war ein bedeutender Schriftsteller esoterischer Werke, forschender Biologe, Lebensreformer, Schriftleiter und Herausgeber von Zeitschriften, die sich mit geheimwissenschaftlichen Themen befassten und Psychotherapeut. Aus seinem Jugendwerk »Der große Holunderbaum, Einführung in die Esoterik«, will ich hier einige höchst aufschlussreiche Zitate darstellen. Fritsche war in jeder Hinsicht ein »Wissender«, der mit beeindruckender Klarheit komplexe Zusammenhänge in allgemein verständlicher Sprache formulierte. Es gibt viel über ihn zu sagen. Das würde hier aber den Rahmen bei Weitem sprengen. Zahlreiche Bücher von ihm sind in meinem Besitz, aus Antiquariat erworben, wobei mittlerweile seine Werke wieder neu verlegt wurden. Hier nun der entsprechende Auszug aus dem Buch:

»Der Lebensweg des Menschen ist gekennzeichnet durch die magische Signatur der Treppe, die entweder aus »Stufen des Abstiegs« oder aus »Stufen des Aufstiegs« gesteht. Die Treppe ist Symbol des magischen Weges; die -stufen sind scheinbar eben, aber niemand kann sie gehen, ohne empor oder abwärts zu steigen: mühsam aufwärts, leicht aber gefahrvoll hinab. Wer um die Magie der Treppe weiß, fühlt einen leisen Schauder, wenn er eine Treppe hinauf- oder hinabsteigen soll.

Stufen des Abstiegs:
1. Emanzipation des Alltäglichen vom Ewigen (Bindungsverlust)
2. Versiegen der Zwiesprache mit Gott
3. Durchwucherung des Alltags mit entedelter Seelenspeise
(Presse, Illustrierten, Romane)
4. Gleichgültigkeit gegen die Speise des Leibes
5. Reizmittelgebrauch
6. Freiheitseinbuße
7. Blindes Dahinleben
8. Resignation

Stufen des Aufstiegs:

1. Das Alltägliche sub specie aeternitatis leben
2. Leben als Antwort
3. Verzicht auf »Zerstreuendes«
4. Bewußte Kostgestaltung
5. Wiederfindung der Eigenschwingung des Organismus
6. Radikales Sich-Freimachen vom Zwang der Fremdkräfte
7. Bewußte Erfüllung der Stunden: jeder Stunde das ihre Geben
8. Wissen: Ideale sind Provokationen des Realismus

Spaltung einer Weltstadt

Heute, auf den Tag genau wurde vor 55 Jahren in Berlin die berühmte Mauer errichtet. Sie durchschnitt mitten in der Großstadt Verkehrswege, Kommunikationseinrichtungen, Bahnlinien, menschliche Kontakte und Telefonnetze. Uns Westberlinern war es von da ab nicht mehr gestattet, in den Ostteil zu reisen.Tragische und erschütternde Momente spielten sich in der Stadt ab.

Fassungslos standen die Menschen an der neu errichteten Grenze und winkten verzweifelt zu ihren Freunden und Verwandten an der gegenüberliegenden Seite. In zahlreichen Filmdokumenten ist dieses Drama eindrucksvoll wiedergegeben.Verzweifelte Fluchtversuche kamen auf, bevor die Abriegelung vervollständigt wurde. Protestnoten des Berliner Senates wurden übermittelt. Die Alliierten waren in Alarmbereitschaft.

Doch alles nützte nichts. Der Westen wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Lebensbedingungen in der Stadt sind vollkommen umgestellt worden. Erst Jahre später wurde es der Westberliner Bevölkerung gestattet, aufgrund von Abkommen mit einem aufwändigen Passierschein- Verfahren seine Freunde und Verwandten in Ostberlin zu besuchen. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich mit meiner Oma in einer Menschenschlange im Nebel vor einem streng wirkenden, roten Klinkerbau stand, um in der Kälte langsam zu den ersehnten Passierscheinen zu kommen.

Der ersten Eindruck von Ostberlin war für mich verheerend. Ein brenzliger Geruch von Qualm und Zweitakter auf den Straßen. Die Häuserfassaden grau und abstoßend. Die Menschen unfreundlich und verschlossen. Wir Westberliner waren Klassenfeinde und wurden auch entsprechend behandelt. Das ließ man uns am Grenzübergang deutlich spüren. Froh und erleichtert fühlte sich jeder, wenn er wieder westlichen Boden betreten durfte.

In den weiteren Jahren meiner Jugendzeit hatte ich oft die Gelegenheit, auf den hölzernen Aussichtsplattformen dieses bizarre Bauwerk zu besichtigen und mich dabei zu gruseln. Grau, verfallen und menschenfeindlich wirkte die ganze Anlage mit dem Todesstreifen und den verfallenen Häusern. Viele Jahre wird es noch bis zum Mauerfall dauern und etliche Tragödien sollten sich bis dahin ereignen.