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Spaltung einer Weltstadt

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Heute, auf den Tag genau wurde vor 55 Jahren in Berlin die berühmte Mauer errichtet. Sie durchschnitt mitten in der Großstadt Verkehrswege, Kommunikationseinrichtungen, Bahnlinien, menschliche Kontakte und Telefonnetze. Uns Westberlinern war es von da ab nicht mehr gestattet, in den Ostteil zu reisen.Tragische und erschütternde Momente spielten sich in der Stadt ab.

Fassungslos standen die Menschen an der neu errichteten Grenze und winkten verzweifelt zu ihren Freunden und Verwandten an der gegenüberliegenden Seite. In zahlreichen Filmdokumenten ist dieses Drama eindrucksvoll wiedergegeben.Verzweifelte Fluchtversuche kamen auf, bevor die Abriegelung vervollständigt wurde. Protestnoten des Berliner Senates wurden übermittelt. Die Alliierten waren in Alarmbereitschaft.

Doch alles nützte nichts. Der Westen wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Lebensbedingungen in der Stadt sind vollkommen umgestellt worden. Erst Jahre später wurde es der Westberliner Bevölkerung gestattet, aufgrund von Abkommen mit einem aufwändigen Passierschein- Verfahren seine Freunde und Verwandten in Ostberlin zu besuchen. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich mit meiner Oma in einer Menschenschlange im Nebel vor einem streng wirkenden, roten Klinkerbau stand, um in der Kälte langsam zu den ersehnten Passierscheinen zu kommen.

Der ersten Eindruck von Ostberlin war für mich verheerend. Ein brenzliger Geruch von Qualm und Zweitakter auf den Straßen. Die Häuserfassaden grau und abstoßend. Die Menschen unfreundlich und verschlossen. Wir Westberliner waren Klassenfeinde und wurden auch entsprechend behandelt. Das ließ man uns am Grenzübergang deutlich spüren. Froh und erleichtert fühlte sich jeder, wenn er wieder westlichen Boden betreten durfte.

In den weiteren Jahren meiner Jugendzeit hatte ich oft die Gelegenheit, auf den hölzernen Aussichtsplattformen dieses bizarre Bauwerk zu besichtigen und mich dabei zu gruseln. Grau, verfallen und menschenfeindlich wirkte die ganze Anlage mit dem Todesstreifen und den verfallenen Häusern. Viele Jahre wird es noch bis zum Mauerfall dauern und etliche Tragödien sollten sich bis dahin ereignen.

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